Glücksorte Ruhrgebiet

Immer wieder sonntags

„Harold & Maude“ in der Galerie Cinema in Essen

Ein junger Mann inszeniert seinen Tod. Er dümpelt mit dem Kopf nach unten im Swimmingpool, sticht sich ein Messer in die Brust oder baumelt von der Decke. Alles nur ein düsterer Spaß. Doch dann verliebt er sich in eine Frau, die seine Großmutter sein könnte und die bald wirklich sterben muss – nicht ohne ihrem todessüchtigen Lover vorher zu zeigen, was Leben, was Glück ist. Hal Ashbys Film aus dem Jahr 1971 fand zunächst keinen deutschen Verleih, bis sich ein paar engagierte Kinos des makabren Werks erbarmten. Mit Erfolg. Von nun an stand „Harold & Maude“ für das etwas andere Leben auf bundesdeutschen Kinoleinwänden: das Programmkino. Die meist jungen Macher staksten damals so fröhlich wie der langbeinige Bud Cort am Ende von Ashbys Meisterwerk durch unerforschte Filmlandschaften. Sie brachten die Marx Brothers nach Deutschland und machten den als trivial verschrienen Hitchcock salonfähig. In Essen dafür zuständig: Hanns-Peter Hüster mit seiner Galerie Cinema, dem kleinsten Filmkunsttheater Deutschlands. Harold und Maude kamen am 6. Juni 1975 in Hüsters Heim – und liebten sich achtzehn Wochen lang vor ausverkauftem Haus. Und da ihre Beliebtheit nicht einmal vom Fernsehen wegzusenden war, fanden sie bald ihren festen Platz am Sonntagnachmittag. Und zwar an jedem Sonntagnachmittag. Seit damals. Bis heute.

Und tatsächlich passt dieser Film zum Kino wie die berühmte Faust aufs Auge: Das winzige Programmkino versteckt sich im Parterre eines ganz normalen Wohnhauses. Die ehemalige Kunstgalerie wurde 1971 zum Kinosaal umgebaut. Ein paar Stufen geht es runter, dann steht man vor einer roten hölzernen Eingangstür. Eine Kasse sucht man in dem kleinen Raum mit den dreiundvierzig Sitzplätzen vergeblich. Erst wenn alle Gäste auf den Plüschsesseln Platz genommen haben, bittet sie der Vorführer um die obligatorischen sieben Euro. Das Geld landet in seiner Schaffnertasche. Statt 3-D-Brillen gibt es Originalfassungen, Retrospektiven, Erstaufführungen. Und eben „Harold & Maude“. Seit vierzig Jahren. Kein Ende in Sicht. Für Cineasten, die es kuschelig mögen.


  • Galerie Cinema, Julienstraße 73, 45130 Essen
  • Harold & Maude immer sonntags, 16.30 Uhr, Original mit deutschen Untertiteln,
  • www.essener-filmkunsttheater.de
  • ÖPNV: U11, Straßenbahn 107, Haltestelle Martinstraße, Bus 160, Haltestelle Paulinenstraße


Fahr hin und werd glücklich!

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Beitragsbild © Weimer/Wellmann

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